Warum beim Angeln auf den Luftdruck geachtet wird

unwetterfront-weiterangelnZu wissen, wie sich Luftdruckveränderungen auf den Angelerfolg auswirken, gehört zum Einmaleins des fortgeschrittenen Anglers. Denn steigender, fallender oder konstanter Luftdruck hat direkten Einfluss auf das Verhalten der Fische. Nur – welchen? Das sollt ihr jetzt erfahren.

Änderungen des Luftdrucks beeinflussen das Beißverhalten von Raub- und Friedfischen positiv wie negativ. Der atmosphärische Luftdruck wird in Hektopascal (hPa) gemessen, wobei der Normwert etwa 1013 Hektopascal beträgt. Dieser Wert sinkt bei einem Tiefdruckgebiet um etwa 10 hPa auf knappe 1000 hPa. Umgekehrt steigt bei einem Hochdruckgebiet der Wert auf etwas mehr als 1020 hPa. Während Tiefdruckgebiete eine Wetterverschlechterung mit sich bringen samt Bewölkungen und Regen, führen Hochdruckgebiete zu schönerem Wetter. Es handelt sich um geringe Luftdruckveränderungen mit großen Auswirkungen, auf die Fische eben sehr empfindlich reagieren.

 

Eine Frage des Appetits: Schnelle Druckveränderungen sind ungünstig

Besonders Zandern und Barschen verdirbt das den Appetit. Konstante Luftdruckverhältnisse dagegen fördern die Fressaktivität. into-the-sunGrund: Raubfische wie Zander haben nicht die Möglichkeit, über den Verdauungstrakt den Druckausgleich zu schaffen, was dagegen den Cypriniden, den Karpfenartigen also, möglich ist. Die Räuber müssen damit jede Druckveränderung in ihrer Schwimmblase über das Blut ausgleichen. Das ist ein Prozess, der die Fische unter Streß setzt und eine Weile dauert, in der nur gering Nahrung aufgenommen wird. Zudem ändert sich mit dem Luftdruck auch der Sauerstoffgehalt im Wasser. Je höher der Luftdruck steigt, desto mehr Sauerstoff kann das Wasser aufnehmen. Fällt der Luftdruck, kann das Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen. Auch hieran müssen sich Fische gewöhnen. Erst dann nehmen sie wieder Nahrung auf. Folglich gelten konstante Luftdruckverhältnisse über mehrere Tage als aussichtsreicher zum Angeln.

 

Eine Frage des Standorts

Wer erfolgreich Fische fangen will, sollte wissen, wo sie stehen. Und über die Wassertiefe, die sie bevorzugen, entscheidet nicht allein die Temperatur beziehungsweise die Jahreszeit, sondern eben auch und vor allem der Luftdruck. Das entscheidende Organ: die Schwimmblase. Über sie baut der Fisch Gegendruck zum Wasserdruck auf. Und je nach Wassertiefe wirkt ein entprechender Wasserdruck. Ändert sich nun der Luftdruck, ändert sich auch der Druck auf den Fisch im Wasser.

Angeln bei Nebel

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Luftdruck steigt -> Druck auf den Fisch steigt -> der Fisch muss Gegendruck über die Schwimmblase erhöhen, um in der gleichen Tiefe zu bleiben, wird aber eher in flacheres Wasser schwimmen, da mit abnehmender Tiefe auch der auf ihn wirkende Druck abnimmt.

Luftdruck fällt -> Druck auf den Fisch fällt -> Fisch muss den Druck der Schwimmblase abbauen und kann dazu tieferes Wasser aufsuchen. Bei einigen Fischarten geht das zügig über eine Verbindung zum Darm. Druckausgleich über das Blut wie Barsche und Zander dauert dagegen länger und macht den Fisch weniger beißfreudig.

 

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Deshalb – merke, merke: In flachen Seen wirken sich schnellere Luftdruckveränderungen eben negativer aus als in tiefen Gewässern, wo die Fische sich schnell unterschiedliche Tiefen suchen können.

 

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4 thoughts on “Warum beim Angeln auf den Luftdruck geachtet wird”

  1. Anschlüssen mit dem Rhein oder der Lippe. Ist eine kontinuierliche Wetterlage. Wichtig für den Erfolg beim angeln. 6 Tage Gleiches Wetter und alle Ampeln stehen auf grün. Wetter Umschwung. Am besten zu Hause bleiben. 40 Jahre Erfahrung. Und das hat was mit dem Luftdruck zu tun. Und ob grade Vollmond oder neumond ist.

  2. Ich habe mir vor einiger Zeit die Mühe gemacht und anhand von Meßdaten und physikalischen Überlegungen die Schwimmblasen-These und die These zum wechselnden Sauerstoffgehalt (von Uli Beyer) überprüft. Meiner Meinung nach sind beide Thesen falsch. Bei Interesse schicke ich Ihnen gerne meine Argumentation mit den Daten als PDF-Datei.

  3. Vielen Dank für Deine Reaktion!
    Vermutlich hast Du recht. Denn gerade diese physikalischen Erklärungen über die Tierwelt an sich sind ein sehr, sehr weites Feld. Da schadet es nicht, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Wir werden das Thema weiterhin im Auge behalten und Deine Anregungen aufnehmen.

  4. Ich will den Artikel ja nicht schlecht reden, aber meiner bescheidenen Meinung nach ist das alles Bullshit, Anglerlatein und zum Teil auch falsch. Das soll kein persönlicher Angriff auf den Autor des Artikels sein. Die „Fakten“ sind ja nur abgeschrieben und werden seit Jahren in Anglerkreisen immer wieder vorgetragen. Wenn man versucht, darüber zu recherchieren, liest man sowas auch nur von Anglern. Das zeigt sich auch in diesem Artikel und insbesondere in den daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen:
    „Luftdruck steigt -> Druck auf den Fisch steigt -> der Fisch muss Gegendruck über die Schwimmblase erhöhen, um in der gleichen Tiefe zu bleiben“ – das klingt für den Ahnungslosen natürlich schlüssig, ist aber schlicht falsch. Wenn der Luftdruck und damit der Druck auf den Fisch steigt, sich der Druck im Fisch (Schwimmblase) aber nicht ändert, treibt der Fisch bereits auf. Er muss also Druck abbauen und nicht aufbauen um in der gleichen Tiefe zu bleiben. Soviel zum „Einmaleins des fortgeschrittenen Anglers“.

    Ich habe mir vorletztes Jahr selbst mal die Mühe gemacht, alle meine Fangerfolge und –misserfolge nebst Umwelteinflüssen wie Luftdruck und Temperatur aufzuzeichnen – mit folgendem überraschenden Ergebnis: Mal läuft’s und mal nicht. Aber der Luftdruck spielt da, wenn man mich fragt, keine Rolle. Wenn man mal darüber nachdenkt, hätte ich mir die Mühe auch sparen können und wäre schneller zu einem Ergebnis gekommen.

    Der Luftdruck bewegt sich bei uns so zwischen 980 und 1040 hpa. Spontane Schwankungen spielen sich selbst im Extremfall um die 20-30 hpa ab. Der Wasserdruck selbst verändert sich aber pro Meter Wassersäule bereits um 100 hpa. D.h. für den Fisch wirkt sich eine extreme Luftruckveränderung genau so „drastisch“ aus wie eine Veränderung der Schwimmtiefe um 20-30 cm. Meiner Meinung nach verkraftet das sogar der Zander – auch ohne zu furzen.

    Auch wenn man sich die Tabellen zur Sauerstoffsättigung anschaut, der Einfluss auf die Sauerstoffsättigung ist bei solchen Schwankungen verhältnismäßig gering. Eine starke Luftdruck-Veränderung um 30 hpa wirkt sich etwa genauso stark auf die Sauerstoffsättigung aus wie eine Temperaturveränderung von 1° C . Der geneigte Leser kann ja sich ja überlegen, welchen Stellenwert er einer solchen Veränderung beimisst.

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